#297: Im Nachhinein ist alles einfach

Shownotes

🎧 Podigee-Shownotes Vorlage für Episode #297„Im Nachhinein"

Vielleicht kennen Sie das: Ein Bekannter erzählt beiläufig, er habe die letzte Kursbewegung genau kommen sehen. Vorher hat er nichts gesagt, aber hinterher wirkt seine Erinnerung erstaunlich klar. In dieser Episode geht es um einen psychologischen Effekt, der in der Verhaltensökonomie einen eigenen Namen trägt und erklärt, warum vergangene Marktbewegungen im Rückblick fast immer logisch aussehen, obwohl sie es im Moment der Entscheidung nie waren.

Dazu kommt ein zweiter, weniger bekannter Effekt, der dafür sorgt, dass ein einziger Treffer schwerer wiegt als eine ganze Serie vergessener Fehleinschätzungen. Beide zusammen sorgen dafür, dass selbstsichere Stimmen kompetenter klingen, als sie tatsächlich sind. Sie erfahren, woran Sie erkennen, ob eine Marktmeinung wirklich etwas taugt, oder ob sie erst im Nachhinein so überzeugend klingt.

Zwei einfache Rückfragen helfen, den Unterschied zwischen echter Einschätzung und nachträglich geschönter Erinnerung zu erkennen.


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Mit dieser Veröffentlichung wird kein Angebot zum Verkauf, Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren oder sonstigen Titeln unterbreitet. Die enthaltenen Informationen und Einschätzungen stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Sie ersetzen unter anderem keine individuelle Anlageberatung.

Transkript anzeigen

00:00:05: In der Episode «Cinema» geht es um Markkommentatoren, Bekannte oder sogar Freunde die im Rückblick am Aktienmarkt angeblich alles immer vorher wussten.

00:00:16: Warum das ein bekannter Dingfehler ist und wie sie solche Marktmeinungen künftig selbst entlarven?

00:00:26: Herzlich willkommen!

00:00:27: Moing und Servus beim Podcast Aktien verstehen und erfolgreich nutzen.

00:00:33: Mein Name ist Wilhelm Scholze.

00:00:34: Als Profi habe ich über siebzehn Jahre lang Fondsmanager und Vermögensverwalter in Aktien beraten.

00:00:40: Und seit dem Jahr hierher lebe ich ausschließlich vom Investieren in Einzelaktien.

00:00:45: In diesem Podcast geht es darum, wie Sie teure Fehler vermeiden und am Wachstum der innovativsten Firmen der Welt partizipiert.

00:00:53: Tipps gibt's viele!

00:00:55: Hier geht's um Snow-How.

00:01:01: Ich hatte vor vielen Jahren einen Chef bei dem so gut wie jede größere Bewegung an der Börse angeblich keine Überraschung gewesen war.

00:01:09: Ein Crash, eine Erholung, ein Ausbruch nach oben – er hatte es vorher gewusst – erzählte er meistens kurz nachdem etwas passiert war.

00:01:19: Fragte man ihn dagegen wohin das von heute ausgeht wurde er auffällig vage.

00:01:26: Diese eine Beobachtung hat mich seitdem nicht mehr losgelassen denn das Muster dahinter begegnet einem an der börse ständig.

00:01:33: Es zeigt sich in Nachrichten-Sendungen, in Kommentarspalten bei Marktkommentatoren aber auch Freunden und Bekannten aus der Finanzszene die kurz nach jeder größeren Bewegung am Aktienmarkt eine überzeugende Erklärung parat haben.

00:01:48: Im Nachhinein ist plötzlich alles einfach.

00:01:51: jede Bewegung hat offenbar einen offensichtlichen Grund gehabt nur vorher hatte kaum jemand etwas Konkretes gesagt.

00:01:59: Wieso wird eine vergangene Bewegung im Rückblick eigentlich so zwangsläufig?

00:02:05: Nach einem Kursregang hören Sie häufig Sätze wie, die Bewertung sei doch längst zu hoch gewesen.

00:02:10: Die Konjunktur habe sich schon seit Monaten abgeschwächt.

00:02:13: Die Zinsen hätten die Kurse ohnehin irgendwann belasten müssen.

00:02:18: Jeder dieser Sätze kann für sich genommen sogar stimmen.

00:02:21: Nur beantwortet keiner davon die eigentliche Frage war dieser Faktor vorher bekannt und war auch bekannt wann und wie stark der Markt darauf reagieren würde?

00:02:33: An der Börse sind Ursachen oft längst sichtbar, bevor sich etwas bewegt.

00:02:38: Unglaub bleibt dabei fast immer ob sie bereits im Kurs stecken, ob sie noch monatelang ignoriert werden oder ob am Ende ein ganz anderer Faktor die Richtung bestimmt.

00:02:49: Dass sich für eine Kursbewegung im Nachhinein einen Grund findet heißt deshalb noch lange nicht dass man diese Bewegungen vorher hätte handeln können.

00:02:57: Gerade bei Marktbewegungen ist das fast ein Ding der Unmöglichkeit.

00:03:02: Was steckt aber eigentlich hinter diesem Effekt?

00:03:05: In der Verhaltensökonomie hat dieses Muster einen eigenen Namen, Der Rückschaufehler oder auf Englisch der Heinzeit Bayes.

00:03:16: Gemeint ist die Neigung eine bereits eingetreten Entwicklung im Rückblick als deutlich vorhersehbarer Wahr zu nehmen – also im Moment der eigentliche Entscheidung tatsächlich war.

00:03:26: Sobald das Ergebnis feststeht entsteht im Kopf eine stimmige Geschichte.

00:03:31: Die Unsicherheit von damals wird nachträglich weggewischt und das geschieht nicht einmal bewusst, nur wenige setzen sich hin und beschließen zu lügen.

00:03:41: aber das Gedächtnis baut die Erinnerung tatsächlich um.

00:03:45: Verstärkt hat dieser Effekt, du hättest was?

00:03:47: dass mindestens genauso wichtig ist Eine Sammlung von Treffern statt einer ehrlichen Gesamtbilanz.

00:03:55: Wer regelmäßig Einschätzungen zum Markt abgibt liegt vielleicht häufiger falsch, aber zwangsläufig auch manchmal richtig.

00:04:02: Und Sie kennen ja sicher den Spruch von Blindenhuhn und die Treffer bleiben in Erinnerung wenn man sie gerne erzählt.

00:04:10: Die Fehlschläge dagegen werden verschwiegen oder bekommen im Rückblick eine passende Begründung.

00:04:16: Die Notenbank habe überraschend reagiert der Markt sei einfach irrational gewesen oder die Richtung habe gestimmt nur der Zeitpunkt nicht.

00:04:25: Auf diese Weise wird aus einer falschen Prognose rückblickend eine grundrichtige Einschätzung.

00:04:32: Daher bitte, glauben Sie nicht alles was Ihnen ein bekannter über seine Erfolge so erzählt?

00:04:38: Er will vielleicht gar nichts schwindeln aber ganz sicher besser dastehen!

00:04:43: Ein Bild aus dem Fußball dazu das ich sehr treffen finde.

00:04:47: wer ihnen nur seine verwandelten Elfmeter zeigt sagt ihnen nichts darüber wie gut er wirklich schießt.

00:04:54: erst die verschossenen Elfmetern machen aus einer Zahl eine Trefferquote.

00:05:01: Dazu kommt, dass diese Verzerrung noch durch einen zweiten verwandten Effekt verstärkt wird.

00:05:06: Er heißt die Verfügbarkeitsheuristik.

00:05:10: Das besagt was uns leicht einfällt wirkt in der Erinnerung wichtiger und häufiger als es tatsächlich war eine Prognose die erst vor drei Wochen zufällig ins Schwarze drauf ist noch präsent und prägt das Eigenbild als treffsicher ganz gleich wie die Bilanz der letzten zwei Jahre tatsächlich aussieht.

00:05:31: Ältere Fehlprognosen sind dagegen längst aus dem Gedächtnis gerutscht, beim Sprecher selbst genauso wie beim Publikum.

00:05:39: Sie lassen jemanden treffsicherer wirken als es eine vollständige ehrliche Statistik hier zeigen würde.

00:05:46: Dazu kommt noch dass sich viele dieser Prognosen kaum wieder legen lassen.

00:05:51: Das liegt schon häufig an den Formulierungen selbst.

00:05:55: Kurzfristig könnte es noch unruhig bleiben.

00:05:57: heißt das dann Eine Gegenbewegung sei jederzeit möglich?

00:06:01: Langfristig sei man positiv, kurzfristig aber vorsichtig.

00:06:06: Solche Setzeklinge nach Marktkenntnis enthalten aber selten eine Aussage die sich später eindeutig überprüfen lässt.

00:06:13: Es fehlt der Zeitraum, die Größenordnung oder die Bedingung unter der die Einschätzung falsch wäre.

00:06:19: Dass eine Aktie irgendwann wieder fällt ist fast immer richtig.

00:06:23: Nur nötzt Ihnen diese Aussage als Anleger herzlich wenig.

00:06:28: Bei technischen Analisten heißt es dann zum Beispiel noch mal ein gutes Prozentluft nach oben hat, wenn die Marke von zum Beispiel ... auch wenn sich jetzt schon einen Widerstand bei ... erst bei dessen Überschreitung kommt dann die Marcke von ... Wenn wir davor aber scheitern, kann es wieder auf ... merken Sie sich das gut?

00:07:02: Denn jetzt haben sie eine wirklich wertvolle Trading-Regel gelernt.

00:07:06: Sie besagt, wenn es nicht steigt dann fällt's – wahrscheinlich!

00:07:14: Eine Prognose die man ernst demen klang klingt anders.

00:07:17: etwa so?

00:07:18: Ich erwarte in den kommenden sechs Monaten einen Rückgang von mindestens fünfzehn Prozent weil die Gewinnerwartung meines Erachtens deutlich zu hoch liegen.

00:07:27: Steigen die Auftragseingänge dagegen weiter wäre diese Annahme falsch.

00:07:32: Erst jetzt lässt sich diese Aussage später wirklich prüfen und der Prognostiker gibt damit auch einen potenziellen eigenen Fehler in den Erwartungen wieder.

00:07:41: Das erfordert Mut, und genau deshalb formulieren viele Menschen ihre Einschätzungen nicht auf diese Weise.

00:07:49: Aber warum hören Anleger trotzdem auf solche Stimmen?

00:07:53: Weil ein Mensch, der ohne erkennbarer Zweifel spricht, in einem unsicheren Moment kompetenter wirkt als jemand, der Wahrscheinlichkeiten abweckt.

00:08:03: Das gilt besonders, wenn die Kurse fallen.

00:08:05: Die Nachrichtenlage widersprüchlich ist oder eine wichtige Entscheidung

00:08:09: ansteht.".

00:08:11: Der Schwetzer sagt,"Das war doch völlig klar!

00:08:13: Das habe ich schon immer so

00:08:14: gesagt!".

00:08:15: Der seriöse Anleger sagt,"Dieses Szenario halte ich für wahrscheinlicher.

00:08:20: Hier könnte ich falsch liegen, deshalb riskiere ich nicht zu

00:08:23: viel.".

00:08:26: Überzeugungskraft und die tatsächliche Qualität einer Prognose sind zwei völlig vollkommen verschiedene Dinge auch wenn sie sich im Moment des Zuhörens sehr ähnlich anfühlen.

00:08:37: Dahinter steckt noch etwas tieferes als reine Überzeugungskraft.

00:08:42: Wer einem selbstsicheren Marktkenner zuhört, kauft sich für einen Moment das Gefühl, dass die Zukunft doch beherrschbar ist.

00:08:51: Diese Kontrollillusion ist gut nachvollziehbar.

00:08:55: Niemand hört gern, daß der weitere Kursverlauf des Gesamtmarktes im Grunde offen ist und von dutzenden Faktoren abhängt, die sich nicht sauber trennen lassen.

00:09:05: Ein Mensch, der genau zur Wissen scheint wo es hingeht nimmt einem diese Unsicherheit für einen Moment ab, auch wenn er sie selbst im Moment in Wirklichkeit nur überspielt.

00:09:16: Woran erkennen Sie nun im Alltag?

00:09:18: ob eine Marktmeinung etwas taugt?

00:09:20: An einer einfachen Rückfrage wurde dieser Aussage wirklich auch mal vorher getroffen, konkret und mit Zeitpunkt oder erst hinterher zu einer runden Geschichte zurecht gebastelt?

00:09:32: Wer wirklich glaubt eine Bewegung kommen zu sehen kann das vorhersagen Mit Richtung und Zeitraum, im besten Fall mit einer nachvollziehbaren Begründung.

00:09:42: Und ebenso wichtig zeigt derjenige auch die Einschätzungen, die nicht aufgegangen sind oder taucht in Erzählungen immer nur eine Aussage auf, die im Nachhinein gut aussieht?

00:09:55: Ein zweites Kriterium hilft zusätzlich Wie geht diese Person mit den eigenen Fehlprognosen um wenn man gezielt danach fragt?

00:10:04: Übernimmt sie Verantwortung oder wird jeder Fehltreffer im Nachhinein mit einem überraschenden Ergebnis erklärt, dass angeblich niemand hätte kommen sehen können.

00:10:13: Wer jede eigene Fehleinschätzung konsequent auf äußere Umstände schiebt hat sein Gedächtnis längst so trainiert das es ihm nie widerspricht.

00:10:23: Das ist kein Aufruf niemand mehr zuzuhören der eine klare Meinung zum Markt hat.

00:10:27: Es ist ein Aufrufe genauer hinzuschauen oder hinzu hören bevor sie eine falsche Sicherheit annehmen weil sie sich auf die Meinung eines anderen stützen.

00:10:38: Wenn Sie also von einem bekannten oder auch einen guten Freund nur Erfolgsgeschichten hören, würde ich mir über die Seriosität seiner Ideen besonders viele Gedanken machen.

00:10:50: Wenn Ihnen meine Gedanken gefallen dann würde ich mich über den Kommentar oder eine freundliche Bewertung sehr freuen!

00:10:58: Es dauert nur eine Minute würde mir aber viel bedeuten und damit wünsche ich Ihnen wieder alles Gute und viel Erfolg bei Allian Investments.

00:11:09: Ihr Wilhelm Scholze.

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