#294: Wenn Verlustangst Ihre Aktienentscheidungen steuert
Shownotes
🎧 Podigee-Shownotes Vorlage für Episode #294: "Verlustaversion“
Warum halten Anleger an einer Aktie fest, obwohl sich das Unternehmen verschlechtert hat und sie dieselbe Aktie heute nicht mehr kaufen würden?
Ein Grund dafür ist die Verlustaversion. Verluste wiegen psychologisch stärker als gleich hohe Gewinne. Das führt dazu, dass Anleger ihre Entscheidungen nicht mehr nur nach Zukunftsaussichten, Bewertung und Risiko treffen, sondern auch danach, wie schmerzhaft sich ein Verkauf anfühlen würde.
So entstehen typische Muster: Verlustpositionen bleiben zu lange im Depot, Gewinner werden zu früh verkauft, gefallene Aktien werden nachgekauft, um den Einstandskurs zu senken, oder Aktien werden aus Angst vor Schwankungen ganz gemieden.
In dieser Episode erfahren Sie, warum Ihr persönlicher Kaufpreis für den Markt bedeutungslos ist, weshalb Verlustaversion nicht dasselbe wie Risikoaversion ist und welche Fragen Ihnen helfen können, eine Verlustposition wieder sachlicher zu beurteilen.
Denn ein Buchverlust ist weder automatisch ein Grund zu verkaufen noch ein Grund zu halten.
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Mit dieser Veröffentlichung wird kein Angebot zum Verkauf, Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren oder sonstigen Titeln unterbreitet. Die enthaltenen Informationen und Einschätzungen stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Sie ersetzen unter anderem keine individuelle Anlageberatung.
Transkript anzeigen
00:00:06: In der Episode twohundvierneunzig geht es um die Frage, warum Anleger an Verlustaktien festhalten?
00:00:11: Gewinner zu früh verkaufen und ihre eigenen Einstandskurs oft wichtiger nehmen als die Zukunft des Unternehmens.
00:00:18: Also mit dem psychologischen Hintergrund schlechter Performance.
00:00:26: Herzlich willkommen!
00:00:27: Moin und Servus beim Podcast Aktien verstehen und erfolgreich nutzen.
00:00:33: Mein Name ist Wilhelm Scholze.
00:00:34: Als Profi habe ich über siebzehn Jahre lang Fondsmanager und Vermögensverwalter in Aktien beraten.
00:00:40: Und seit dem Jahr hierher lebe ich ausschließlich vom Investieren in Einzelaktien.
00:00:45: In diesem Podcast geht es darum, wie Sie teure Fehler vermeiden und am Wachstum der innovativsten Firmen der Welt partizipiert.
00:00:53: Tipps gibt's viele!
00:00:55: Hier geht´s um Snow-Haw Verlustaversion.
00:01:03: Stellen Sie sich vor, Sie halten seit zwei Jahren eine Aktie.
00:01:09: Die ursprüngliche Investment-Idee, wegen der Sie eingestiegen sind ist inzwischen eigentlich nicht mehr intakt.
00:01:16: Das Unternehmen hat sich verändert, der Markt hat sich verändert und wenn sie ehrlich sind würden Sie diese Aktie heute nicht mehr kaufen.
00:01:24: Trotzdem verkaufen Sie nicht!
00:01:27: Sie sagen sich das kommt schon wieder oder jetzt zu verkaufen wäre doch dumm.
00:01:33: dann ist der Verlust ja erst richtig real.
00:01:36: Gleichzeitig schauen sie auf ihre Wortschlüsse und sehen dort Unternehmen, die ihnen deutlich besser gefallen.
00:01:42: Aber das Kapital ist gebunden also passiert nichts!
00:01:46: Das ist kein Einzelfall – das ist einer der häufigsten Muster, die ich bei Anlegern beobachte Und es hat einen Namen Verlustaversion.
00:01:56: Was Verlusterversion eigentlich bedeutet?
00:01:59: Der Begriff stammt aus der Verhaltensökonomie der Psychologen Daniel Kanemann und Amostwersky.
00:02:06: Kannemann hat unter anderem dafür später den Wirtschaftsnobelpreis bekommen, was zeigt wie ernst diese Erkenntnis inzwischen genommen wird.
00:02:14: Die Kernausage ist einfach!
00:02:16: Ein Verlust schmerzt uns psychologisch deutlich stärker als ein gleich großer Gewinn und freut uns.
00:02:23: In Studien liegt dieses Verhältnis häufig bei etwa zwei zu eins.
00:02:27: Das heißt ein Verluste von tausend Euro fühlt sich ungefähr so schmerzhaft an bis ich einen Gewinn von zweitausend euro gut anfühle.
00:02:37: Psychologisch deutlich schwerer als ein betragsmäßig gleich großer Gewinn, auch wenn sich beide auf dem Papier exakt die Waage halten.
00:02:45: Rein rechnerisch ist ein Verlust von tausend Euro und ein Gewinn von Tausend euro symmetrisch.
00:02:50: Beide verändern das Depot um den selben Betrag aber gefühlt sind sie das nicht!
00:02:55: Und genau dieses Gefühl steuert sehr oft die Entscheidung... ...und nicht die Zahl auf dem Deportauszug.
00:03:04: Woher das kommt?
00:03:06: Verlusterversionen ist kein Konstruktionsfehler.
00:03:09: Sie lässt sich evolutionär gut erklären.
00:03:12: Für unsere Vorfahren war der Verlust von Nahrung, von Werkzeug oder von einem sicheren Unterschlupf oft existenziell bedrohlich.
00:03:20: Ein zusätzlicher Gewinn war angenehm aber selten überlebenswichtig.
00:03:26: Wer an einem Tag etwas mehr Bern fand hat einen guten Tag.
00:03:30: Wer seinen gesamten Wintervorrat verlor hat im schlimmsten Fall ein Problem da er nicht überlebte.
00:03:37: Über tausende Generationen hat sich deshalb eine Reaktion eingeprägt die auch Verluste stärker reagiert als auf Gewinne.
00:03:45: Diese Reaktion war sinnvoll, solange es ums Überleben ging.
00:03:49: Nun geht das an der Börse aber nicht um's Überleben also zumindest für die meisten Anleger nicht.
00:03:55: Es geht um Kapitalallokation über Jahrzehnte und doch wirkt hier ein Mechanismus der eigentlich für ganz andere Bedrohungen entwickelt wurde.
00:04:07: Verlust aversion ist übrigens nicht dasselbe wie Risikoaversion.
00:04:11: An dieser Stelle lohnt sich eine Unterscheidung, die viele Anleger nicht kennen.
00:04:16: Risiko-Aversion bedeutet ich bevorzuge eines sichere Situationen gegenüber einer Unsicheren selbst wenn die unsichere im Schnitt besser ausfallen könnte.
00:04:26: das betrifft die Zukunft bevor überhaupt etwas passiert ist.
00:04:30: Verlust-Aversion wirkt anders.
00:04:33: sie zeigt sich vor allem dann wenn ein Verluste bereits eingetreten ist oder unmittelbar droht.
00:04:39: Deshalb erklärt sie ein Verhalten, das auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt.
00:04:43: Der selbe Anleger der beim Einstieg zu vorsichtig ist und zu wenig investiert hält an einer bereits gefallenen Position fest – obwohl er längst weiß dass er verkaufen sollte.
00:04:55: Beides hat eine ähnliche Wurzel!
00:04:59: Vor dem Kauf sorgt Verlust aversion für zu viel Zögern.
00:05:02: nach einem Verluste sorgt es aber nun dafür, dass man ihn nicht realisieren will weil sich Ein noch nicht realisierter Verlust besser anfühlt, als ein Verlucht der bereits durch einen Verkauf fixiert wurde.
00:05:17: Hierzu kommt das mit einem Verkaufen auch jede Hoffnung auf einer Kurserholung stirbt – denn die bringt einem ja nichts mehr wenn man dann bereits verkauft hat!
00:05:28: Aber es geht sogar weiter….
00:05:30: Bei einer bereits gefallenen Aktie kann die Verluste Angst sogar des Gegenteils bewirken.
00:05:36: Der Anleger nimmt durch Nachkäufe weitere Verluster in Kauf weil er die Chance erhalten möchte ohne Verluste aus der Position herauszukommen.
00:05:46: Es ist eine Art Double Down, um aus dem Verlust schneller rauskommen zu können.
00:05:52: Noch leider zeigt einem die Statistik dass der Großteil der schlecht laufenden Aktien im Durchschnitt auch weiterhin schlecht läuft.
00:06:00: Klar ein Kursregang allein sagt noch nicht das die Aktie weiterfallen wird.
00:06:05: Häufig liegen ihm aber Veränderungen zugrunde Die Anleger zu lange verharmlosen sinkendes Wachstum, schwächere Margen, neue Konkurrenz eine zu hohe Verschuldung oder eine zuvor überzogene Bewertung.
00:06:21: Wer nur auf die Rückkehr zum Kaufpreis wartet ignoriert diese Ursachen oft oder ist nicht mehr unvoreingenommen?
00:06:30: Ja es gibt die Wiederauferstehung von den Toten aber sie passiert viel seltener als man vielleicht glaubt.
00:06:38: Wie zeigt sich das im Depot?
00:06:40: Nun, es führt zu einigen sehr typischen Mustern.
00:06:44: Erstens Depoleichen.
00:06:46: Aktien die deutliche Minus sind und trotzdem nicht verkauft werden – obwohl sich an der Ursprungsidee für das Investment längst etwas geändert hat.
00:06:55: Das kommt schon wieder!
00:06:57: Ist dann oft keine Analyse sondern versucht den Schmerz eines endgültigen Verlustes zu vermeiden.
00:07:04: Zweitens Gewinne werden zur Früh mitgenommen weil ein Gewinn sich gut anfühlt und viele Anleger in diesen positiven Moment lieber sichern wollen statt das Risiko einzugehen, dass er sich wieder einen Verlust verwandelt oder zumindest die Gewinne verliert.
00:07:21: Das ist quasi die spezielle Form einer Verlusterangst im Gewinn bei einer Aktie.
00:07:27: Was klingt vernünftig kann aber langfristig viel Rendite kosten wenn sie gute Unternehmen viel zu früh verkaufen.
00:07:36: Drittens Panikverkäufe in schwachen Marktphasen.
00:07:41: Das ist im Grunde die Fortsetzung der Kursverluste von Punkt eins, aber nun tut er richtig weh und sobald ein Verlust größer wird und immer mehr schmerzt steigt der Drang ihn zum Beenden egal zu welchen Kurs Ausgerechnet am Tiefpunkt.
00:07:57: wenn der Schmerz in einem Crash oft am grössten ist wird dann häufig verkauft.
00:08:03: das ist eine Entscheidung aus Schmerzwermeidung um noch weitere Verluste zu vermeiden.
00:08:11: Und viertens das eher unauffällige Muster, eine zu geringe Aktienbote von Anfang an.
00:08:17: Wer die Angst vor Verlusten stärker gewichtet als die Freude über den Gewinn meidet Aktien lieber ganz und nimmt dafür einen schleichenden Kaufkraftverlust in Kauf der nirgendwo als Verluste in einer Depotübersicht auftaucht.
00:08:32: Grundsätzlich wollen wir uns natürlich vor Verlasten schützen was völlig okay ist aber der größte Schutz wäre natürlich gar keine Aktien zu haben.
00:08:41: Leider hat das den negativen Effekt, dass man von einer der besten Rendite-Möglichkeiten dann gar nicht mehr profitieren kann.
00:08:49: In Anbetracht unserer Rentensituation in den kommenden Jahren und Jahrzehnten leider auch nicht zwangsweise eine gute Idee.
00:09:00: Was also tun dagegen?
00:09:03: Verlust der Version lässt sich nicht abschalten – sie ist heiltessen wie unser Gehirn funktioniert.
00:09:08: Wer versucht sie einfach zu ignorieren wird meistens scheitern weil sie im Moment der Entscheidung immer wieder zurückkommt.
00:09:16: Was tatsächlich hilft, ist etwas anderes.
00:09:18: Entscheidungsregeln, die Sie von Beginn an festlegen bevor der Verlustschmerz sie erreicht nicht erst in dem Moment indem eine Position von wozu man sich prozentig Minus ist und sie unter Druck stehen sondern schon vorher in Ruhe.
00:09:34: zu diesen Regeln sollten solche Fragen gehören wie strukturell schweres Wachstum dauerhaft sinkende Majen Verluste eines Wettbewerbsvorteils oder eben zu hohe Verschuldung.
00:09:49: Ein bestimmter Kursregang allein ist dagegen kein gutes Verkaufskriterium, vor allem wenn er v.a.
00:09:55: den Markt als Ganzes geschuldet ist.
00:09:59: Nützlich sind auch Fragen wie Wie hoch ist mein Kursziel nun nachdem ich von einer veränderten Situation ausgehe?
00:10:07: Oder gibt es für meinen Kapital eine bessere Alternative?
00:10:13: Denn Wenn die Antwort auf die zweite Frage ja lautet Ist der bisherige Einstandskurs keinen Grund zu halten?
00:10:21: Wenn die Antwort nein lautet und ich eine ausreichend wohlbegründete Vermutung über ein deutlich höheres Kursziel habe, dann ist Halten auch bei einem vorübergehenden Kursverlust meist kein Fehler.
00:10:34: Diese Fragen funktionieren deshalb so gut wie sie den Blick von der Vergangenheit weg auf die Zukunft lenken.
00:10:41: Verlustaversion lebt davon dass wir am alten Einstiegspunkt hängen und Hängen bleiben.
00:10:49: Die Frage nach der aktuellen Rendite Chance oder ob ich diese Aktie auch kaufen würde, wenn ich sie noch nicht hätte können das Problem lösen.
00:10:59: Was bedeutet das für Sie?
00:11:01: Verlust?
00:11:01: aversion ist kein Zeichen von Schwäche!
00:11:03: Sie steckt in jedem Menschen und hat unsere Vorfahren überleben lassen.
00:11:08: An der Börse sorgt sie aber dafür dass Entscheidungen zum falschen Zeitpunkt getroffen werden viel zu spät verkauft, zu früh verkauft, zu vorsichtig eingestiegen.
00:11:21: Auch wer den Mechanismus kennt, kann ihn nicht abschalten.
00:11:23: Aber wenn sie ihn erkennen bevor ihre Entscheidungen übernimmt dann kann das einen erheblichen Unterschied in ihrer Performance am Aktienmarkt ausmachen.
00:11:33: Fragen Sie sich also bei der nächsten Verlustposition nicht nur wie tief sie im Minus steht?
00:11:38: Fragen sie sich halte ich weil ich von dem Unternehmen nach wie vor überzeugt bin oder halte Ich weil ich den Verluste nicht wahrhaben will?
00:11:49: Genau solche Muster sind ein zentraler Teil meiner Masterclass-Aktien.
00:11:53: Es geht dort natürlich auch um Unternehmensanalyse, Bewertungen und Kurschancen – aber eben auch darum die eigenen psychologischen Reflexe zu verstehen, die jede noch so gute Analyse im entscheidenden Moment außer Kraft setzen kann!
00:12:09: Mehr dazu finden Sie unter welchemScholze.com.
00:12:15: Und damit wünsche ich Ihnen wieder alles Gute Und viel Erfolg bei Allian Investments.
00:12:21: Ihr Wilhelm Scholze.
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